Presse

Musik und Theater Juni 2013
Schweiz am Sonntag, 7. Juli 2013 Braunwald Musikwochen
Die Südostschweiz, 1. Juli 2013 Braunwald Musikwochen

CD “Schoenberg, Kelterborn, Zimmermann”
Jungfrau Zeitung, 18 Aug 2008, Mendelssohn Musikwoche
Musical Opinion, 01 Jun 2007, Wigmore Hall Debut
St. Galler Tagblatt, 30 Oct 2006, Tonhalle St.Gallen
Badische Zeitung, 18 Jan 2007
Neue Zürcher Zeitung, 30 Oct 2006
Le Temps, 14 Mar 2005
Neue Luzerner Zeitung, 09 Apr 2005

Absolut Trio works by Arnold Schönberg (1874-1951) Verklärte Nacht – Rudolf Kelterborn (b1931) 15 Moments Musicaux (2006) – Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) Présence (1961) Bettina Boller violin – Imke Frank cello – Stefka Perifanova piano – 74:42

Musik & Theater 09.09.09

Entdeckungsfreudiges Trio

Dass Schönberg sein berühmtes Sextett “Verklärte Nacht” für Streich­orchester bearbeitet hat, ist eher bekannt als die Tatsache, dass er später auch eine Fassung für Klaviertrio von Eduard Steuermann autorisiert hat. Sie entstand zu Probenzwecken für eine Ballettauf­führung. Trotz der durch die Praxis motivierten Genese steht eine voll­gültige Werkgestalt vor uns. Sie ver­eint die solistische Intimität der Strei­cher, die der Orchesterfassung abgeht, mit der Konturierung und dem rhythmischen Impetus, den das Klavier vermittelt. Zweifellos ist der stimmige Eindruck auch der über­zeugenden Interpretation durch das Absolut Trio zuzuschreiben. Hier ver­eint sich energischer Zugriff mit dem Sentiment, das von der Textvorgabe Richard Dehmels – die von Peter Schwelger gelesen wird – gegeben ist. Auf Schönberg folgen die «15 Moments musicaux» von Rudolf Kelterborn, eine Auftragskomposition des Absolut Trio. Eloquent und viel­gestaltig sind die musikalischen Aphorismen, die den Zyklus bilden; auch dieses Werk profitiert von der grossen Erfahrung, die das ent­deckungsfreudige Trio auf dem Gebiet der Neuen Musik ausweisen kann. Ein Gleiches gilt für «Presence» von Bernd Alois Zimmer­mann. Das Fehlen des szenischen Elements, das bei dem Stück vorge­sehen ist, wird durch die bildhafte Interpretation mehr als wettge­macht.
Stephan Thomas

Fanfare Magazine May / June 2009

SCHOENBERG Verklärte Nacht (arr. Steuermann).’ KELTERBORN 15 moments musicaux. ZIM­MERMANN Presence • Absolut Tr; Peter Schwelger (spkr)’ • GUILD 7322 (74:42)

Don’t panik: the reading of Richard Dehmel’s poem takes place before the performance of Verklärte Nacht, not during it. Schoenberg’s string sextet served both the angst and the heat of the piece ideally; I’ve neuer believed that Steuermann’s arrangement is capable of realizing such passions, although it was a notable addition to the post-Brahms piano-trio repertoire. The Absolut Trio delivers a superlative performance, playing with beauteous tone and great plasticity while reveling in the drama. The trio still Lacks the fall power of the sextet, bat I’m delighted to have been proven 90 percent wrong.

Do you know anyone who is 110 years old? Isn’t it time we stopped calling this 1899 music “contemporary?” Words have meanings, and this one should not be appropriated as a euphemism for “music I don’t like.” Rudolf Kelterborn (b. 1931) composed his 15 moments musicaux for the Absolut Trio in 2006, but they Gould haue been written in the year of his birth. These short, widely varied snapshots have a strong Webernsque quality, not only in brevity-they average about one minute in duration-bat in their jewel-like scoring and sudden dynamic bursts. Variations in texture provide much of the interest, with the three instruments speaking independently as well as in ensemble. It takes a composer of imagination and power to grab and hold our attentions with such music; that Kelterborn does so proves him a worthy follower of Webern.

Schweizer Musikzeitung Dezember 2008

Transparente «Verklärte Nacht»

Schönberg: Verklärte Nacht;
Kelterborn: 15 Moments musicaux;
Zimermann: Presence. Absolut Trio Bettina Boller, Violine, Imke Frank, Violoncello, Stefka Perifanova, Klavier), Peter Schweiger, Sprecher.
Guild/DRS 2 GMCD 7322

Die Einspielung mit dem Absolut Trio, erschienen beim engagierten Label Guild, macht den Rang dieser Schweizer Formation nachdrücklich deutlich. Das Klaviertrio als Gattung erträgt zwar grössere Freiheiten der einzelnen Musiker als reine Streicherkammermusik, lässt aber deutlicher erkennen, ob solistisch gesinnte Musiker zusammentreffen oder solche, die ernsthaft die zuweilen klanglich unversöhnliche Konstellation der Instrumente zur musikalischen Einheit fühl möchten. Hierin ist das Absolut Trio sehr überzeugend. Schon der allererste Anfang der Verklärten Nacht mit seinem zarten Auffalten der kommenden Abgründe macht diesen Anspruch deutlich. Im Gegensatz zur Streichsextett-Fassung können die beiden Streicher, die in der Triobearbeitung Eduard Steuermann die erstem Stimmen des Originals weitgehend ernehmen, nicht im breiten, rauschhaften Klang der übrigen Streicher verschmelzen. Sie sind viel deutlicher, ausgeleuchtet, fast nackt ausgestellt und können zu ganz anderen interpreterischen Ergebnissen kommen. So gerät das Werk in den Händen der Musiker nicht überbordend und gärend vor spätromantischem Pathos, sondern filigran, luzid, transparent und sehr intim. Die beiden Hauptpersonen des Gedichts von Richard Dehmel treten hier leibhaftig vor den Hörer. Ausgezeichnet auch das Klavier, das eine perfekte Bühne, eine Landschaft der Entfaltungsmöglichkeiten für die Protagonisten ausbreitet.

Nicht ganz schlüssig ist die stilistische Konstellation mit den beiden anderen Werken auf der CD, deren Autorenschaft allerdings erstrangig ist und die das Absolut Trio nicht etwa aus Verlegenheit, sondern’ aus Überzeugung vertritt: die hoch spannenden und brennpunktartig ausgefeilten Miniaturen Rudolf Kelterborns sowie Presence von Bernd Alois Zimmermann aus dem Jahre 1961, das auf dem Höhepunkt der seriellen Produktion der Nachkriegszeit entstand. Das Absolut Trio gibt beiden Werken kraftvolle Gestalt und lotet die Partituren mit akribischem Klangsinn perfekt aus. Markus Fleck BACK

SUPERSONIC AWARD November 2008
in PIZZICATO Classics in Luxenmbourg

HÖRERLEBNIS

A. Schönberg: Verklärte Nacht (Fassung für Klaviertrio); R. Kelterborn: 15 moments musicaux; B. A. Zimmermann: Présence; Absolut Trio; 1 CD Guild GMCD 7322; 2008 (74’42)

Dies ist eine wirklich faszinierende Neuerscheinung mit Musikern, die dabei sind, sich als Absolut Trio an die internationale Spitze zu setzen: Bettina Boller (Violine), lmke Frank (Violoncello) und Stefka Perifanova (Klavier). Bedeutsam ist diese CD zuerst einmal durch die Werkauswahl. Am Anfang steht Schönbergs knapp halbstündige ‘Verklärte Nacht’. Hier wird allerdings nicht die Originalversion für Streichsextett dargeboten, sondern die Fassung für Klaviertrio von Eduard Steuermann, die noch prägnanter als das Original erscheint.

Begrüssenswerterweise ist, dass Richard Dehmels kontroverses Gedicht der Aufführung vorausgesetzt ist, so dass der Hörer, dank der feinen Rezitation von Peter Schweiger, bereits den Geist der Komposition in sich aufnehmen kann: “Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain”, Frau und Mann. Sie ist “schuldig” geworden, da sie ein Kind von einem andern erwartet. Nun vertraut sie sich dem Geliebten an. Der zeigt sich verstehend: “Du wirst es mir, von mir gebären”, und so kann die Aussöhnung und Versöhnung der beiden die Nacht verklären: “Zwei Menschen gehn durch hohe, helle Nacht.” Die Spannung der Musik entsteht sofort beim Einstieg des Klaviers; es folgt sodann ein derart wunderschönes und leidenschaftliches, dynamisches und zugleich fein nuanciertes Zusammenspiel der drei Musiker, dass der menschliche Konflikt in der Komposition völlig konsequent aufgebaut, durchleuchtet und zum ergreifenden Abschluss geführt wird.

Die ’15 moments musicaux’ von Rudolf Kelterborn wurden 2006 für das Absolut Trio geschrieben. Sie haben allerdings nichts mit Schubert zu tun, sondern, sie stellen in ihrer Knappheit – sie dauern gerade einmal 15 Minuten – Kontraste und Spielmöglichkeiten vor. “Aus den Momenten ergibt sich ein Ganzes”, schreibt sehr richtig Thomas Meyer im aufschlussreichen Booklet, und das Trio beweist, dass nichts unmöglich zu spielen ist, was der Schweizer Komponist in seinen musikalischen Momenten, die wie Blitzeinfälle sind, an Schwierigkeiten angehäuft hat.

Bernd Alois Zimmermann hat mit seiner Oper ‘Die Soldaten’ von 1965 eines der Schlüsselwerke unserer Zeit geschrieben, das mittels einer raffinierten, auf Zitaten fussenden Collagentechnik die “Gegenwart, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet …voraus der Blick in die Zukunft mit der Gewissheit der immer wieder neu begonnenen Gegenwart”, wie Zimmermann zu Présence von 1961, geschrieben hat. Er fügte hinzu: “Présence …das ist die dünne Eisschicht, auf der der Fuss eben nur so lange verweilen kann, bis sie einbricht.”

Présence, ein ‘Ballet blanc en cinq scènes pour violon, violoncelle et piano’, muss man unbedingt als Vorstufe zur Oper ‘Die Soldaten’ ansehen. Das Werk wirkt immer noch radikal neu und überraschend, ja, verunsichernd. Dass dem so ist, darf als das Verdienst der Interpreten angesehen werden, die mit einem perfekten Verständnis für das Anliegen Zimmermanns seine ungehörten und unerhörten Klänge zum Erlebnis werden lassen. GW BACK

Klassikcom Saturday October 4 2008

‘So formt sich aus dem benebelnden Dampf Wagner’scher und Richard Strauß’scher Einflüsse ein musikalisches Scheusal, das nicht einmal die Entschuldigung hat, geistreich zu sein…’ Neue, zeitgenössische Musik hat es nicht leicht bei den meisten Musikkritikern – so war es zu Arnold Schönbergs Zeiten und so ist es auch noch heute. Stellt eine Komposition, wie die ‘Verklärte Nacht’, für heutige Ohren keine ungewöhnlich neue Hörerfahrung dar, verhält es sich mit Werken jüngerer oder zeitgenössischer Komponisten schon anders. Auf seiner aktuellen CD präsentiert das ABSOLUT TRIO mit Schönbergs ‘Verklärte Nacht’ in Eduard Steuermanns Fassung für Klaviertrio Gewohntes in selten gehörtem Gewand, sowie exklusiv Zukunftsweisendes mit Rudolf Kelterborns ‘15 Moments musicaux’ und Modernes mit Bernd Alois Zimmermanns ‘Présence’. BACK

Verwischte Tristan-Partitur

‘Bis zu meinem 21. Lebensjahre hatte ich gar keinen theoretischen Unterricht erhalten, mich aber als Autodidakt soweit gebracht, dass ich, nachdem ich ein Jahr unter Alexander von Zemlinskys Leitung komponiert hatte, ein Streichquartett öffentlich zur Aufführung bringen konnte.’ So Schönberg in der Ankündigung für die zweite Aufführung seines Werks ‘Verklärte Nacht’ bei dem Deutschen Tonkünstlerfest in Berlin im Jahre 1902. Obwohl bereits 1899 komponiert, musste Schönbergs Komposition noch knapp drei Jahre auf seine Uraufführung warten, welche schließlich im Jahre 1902 durch das Rosé-Quartett in Wien stattfand – jedoch ohne Abdruck des zugrundeliegenden Gedichts, da dessen Inhalt für ‘ganz unmöglich’ und ‘mindestens polizeiwidrig’ gehalten wurde. Die beobachtbaren Reaktionen zeigen, wie genau Richard Dehmels gleichnamiges Gedicht den Nerv der damaligen Zeit getroffen und gleichzeitig die Gemüter erhitzt hatte. Ebenso konträr die direkte, sowie die in Form von Kritiken nachfolgende Resonanz auf die Uraufführung von Schönbergs Komposition (‘…tobender Beifall und starkes Zischen stritten miteinander…’). Auffallend häufig fällt hier der stilistische Vergleich mit Wagner. So schreibt Zemlinsky: ‘Es ist sehr viel Tristan noch zu hören.’ Und mit folgendem, durchaus amüsantem Kommentar bedachte ein Jury-Mitglied des Tonkünstlervereins Schönbergs Komposition: ‘Das klingt ja, als ob man über die noch nasse Tristan-Partitur darüber gewischt hätte.’

Für damalige Zeit neuartig und somit ungewöhnlich war bei dieser Komposition der Transfer der Idee einer programmatischen Komposition auf Grundlage eines poetischen Textes, die zur damaligen Zeit eine relativ neue Form der Orchestermusik darstellte, auf die verkleinerte Besetzung eines Streichsextetts. Schönberg wollte hier jedoch keinen Handlungsablauf vertonen, sondern sich darauf beschränken, ‘die Natur zu zeichnen und menschliche Gefühle auszudrücken’.

In noch direkterer Form ist die ‘Verklärte Nacht’ auf vorliegender CD nun in der von Eduard Steuermann für Klavier-Trio gesetzten Version zu hören. Diese Bearbeitung vermag es, die Intimität der Beziehung und des Konflikts jenes Paares, den Dehmel so eindrucksvoll in Worte fasst, noch genauer zu zeichnen. Der Einspielung vorangestellt ist das zugrundeliegende Gedicht (gesprochen von Peter Schweiger), welches sicherlich zum besseren Verständnis des nachfolgenden Werkes beiträgt. Darüber hinaus wird der Hörer dadurch bereits gut auf die besondere Atmosphäre, die die ‘Verklärte Nacht’ umgibt eingestimmt.

Hierauf folgt eine wirklich beeindruckende Interpretation von diesem frühen Werk Schönbergs. Innig und voller Leidenschaft transportieren die drei Musikerinnen des ABSOLUT TRIOs die Gefühle beider Protagonisten – zuerst die beklemmende Angst der Frau, dem Partner das bis dato wohlbehütete Geheimnis anzuvertrauen, dann der gefühlsintensive Moment des Sich-Öffnens, schließlich die großmütige Geste der Vergebung. All dies vermitteln Imke Frank (Violoncello), Bettina Boller (Violine) und Stefka Perifanova (Klavier) über mitunter drastische Tempo- und Dynamikwechsel und durchgängig hoch empathisches Spiel. Diesen außergewöhnlichen Hörgenuss kann nicht einmal das zum Ende hin etwas zu ausgeprägte Vibrato von Bettina Boller schmälern.

Exklusives und Modernes

Im Jahre 2006 schuf der renommierte Schweizer Komponist Rudolf Kelterborn eigens für das drei Jahre zuvor gegründete ABSOLUT TRIO ‘15 Moments musicaux’, welche ebenfalls auf der vorliegenden CD zu hören sind. Der direkten Assoziation entgegengesetzt haben diese ‚musikalischen Momente’ jedoch so gar nichts mit Franz Schubert gemein. Die Gesamtlänge von rund 15 Minuten überrascht – das sind wirklich nur kurze Momente von Musik – der kürzeste etwa 25 Sekunden, der längste kaum zwei Minuten lang. Die einzelnen Sätze nehmen laut Komponist via Dynamik, Tonlage oder Ausdruck Bezug aufeinander und bilden somit eine zyklische Gesamtform. Brachiale Gewaltausbrüche wechseln unmittelbar mit feinen, schwebenden Melodien – das ABSOLUT TRIO lässt seine Instrumente flüstern, schreien, jammern, singen. Diese ‘flash-artigen Momente’ ermöglichen dem Hörer, verschiedenste, musikalisch unterschiedliche Stadien zu durchlaufen, um schließlich im letzten Satz in einem fulminanten Fortissimo zu gipfeln.

Zusammen mit Schönbergs ‘Verklärte Nacht’ feierte das ABSOLUT TRIO im Jahre 2005 mit Mischa Käsers Inszenierung von Bernd Alois Zimmermanns ‘Présence. Ballet blanc’ große Erfolge im In- und Ausland. Diese Ballett-Musik ist nun auch in einer beeindruckenden Interpretation durch das Ensemble auf der vorliegenden CD zu erleben. ‘Présence’ – das ist laut Aussage des Komponisten ‘jene Gegenwart, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet…voraus der Blick in die Zukunft mit der Gewissheit der immer wieder neu begonnenen Gegenwart’. Vorher der seriellen Musik zugewandt, entwickelte Zimmermann ab Anfang der 1960er Jahre eine eigene Kompositionsweise. Nach Art einer Collagentechnik überlagerte er auch mit Hilfe des musikalischen Zitats verschiedene kompositorische Stile der unterschiedlichsten Epochen und fügte sie zu einem Ganzen zusammen. In seiner berühmten Oper ‘Die Soldaten’ (1965) wandte Zimmermann diese Technik zum ersten Mal in konsequenter Weise an. Rund vier Jahre zuvor experimentierte er jedoch bereits bei der Komposition von ‘Présence’ mit dieser Art des kompositorischen Arbeitens. Herausgekommen ist ein imposantes Werk, das bis heute nichts von seiner verstörenden wie eindrucksvollen Wirkung eingebüßt hat – dies, auch dank solch plastischer Interpretationen, wie der des ABSOLUT TRIOs.

Insgesamt gehört stellt diese neue Produktion des ABSOLUT TRIOs eine wirkliche Bereicherung eines jeden CD-Schranks dar. Die drei Musikerinnen, die mit ihrer hier zu erlebenden Auswahl an Werken wieder einmal einen interessanten Dialog zwischen zeitgenössischer Musik und der Vergangenheit präsentieren, verstehen es bewundernswert, sich auf den jeweiligen Komponisten und seine Zeit einzustellen, sein Werk einfühlsam wie beeindruckend zu interpretieren und den Hörer damit in den Bann zu ziehen. Esther Krass BACK

Jungfrau Zeitung, 18 Aug 2008, Mendelssohn Musikwoche
Drei romantische Klaviertrios in berufenen Händen
Glanzvolle Eröffnung der Mendelssohn Musikwoche
Die Violinistin Bettina Boller, die Cellistin Imke Frank und die Pianistin Stefka Perifanova, seit 2004 im «Absolut Trio» vereint, schenkten mit einer hoch differenzierten Wiedergabe je eines Klaviertrios von Robert Schumann und den Geschwistern Mendelssohn eine begeisternde Eröffnung der 4. Mendelssohn Musikwoche in Wengen.
Kammermusik wie sie im Buche steht! Haydn, Mozart und Beethoven haben sie mit herrlichen Werken in fürstlichen Gemächern und Bürgerstuben bekannt und beliebt gemacht. Schubert und seine Nachfolger haben eine ebenbürtige Nachfolge angetreten und die klassische Sparte mit romantischen Kompositionen weiter geführt und bereichert. Eine sinnvollere glücklichere Eröffnung ihrer Kammermusikwoche hätten die Organisatoren in Wengen zusammen mit den drei Künstlerinnen nicht bieten können. Eine Garantie dafür bot das «Absolut Trio», der Zusammenschluss der drei renommierten Musikerinnen, die seit der Gründung in einer grossen Zahl von Auftritten ihr Können mit der Aufführung von Werken der klassischen, romantischen aber auch modernen Epoche unter Beweis gestellt haben. Natürlich finden die Kammermusikkonzerte heute auch in Konzertsälen statt. Den Hochgenuss bieten aber immer noch die Räumlichkeiten mit kleinerem Fassungsvermögen. Dazu ist auch die Reformierte Kirche in Wengen mit ihrer hervorragenden Akustik zu zählen.
Eine faszinierende Gegenüberstellung
Die drei Trios, das Opus 80 von Robert Schumann, das Opus 11 von Fanny Hensel-Mendelssohn und das Opus 66 von Felix Mendelssohn Bartholdy waren fast zur gleichen Zeit, in den Jahren 1845 bis 1847, jedoch aus einem total verschiedenen Umfeld ihrer Erschaffer entstanden. Schumann weilte enttäuscht in Dresden, wo er sich vergeblich um eine feste Anstellung bemühte, Mendelssohn war nach gescheiterter Wohnsitznahme in Berlin nach Leipzig an den Ort seiner Triumphe zurückgekehrt, und seiner Schwester Fanny, von der Sippe an öffentlichen Auftritten als Pianistin und durch jahrelange Verhinderung der Veröffentlichung ihrer rund 400 Kompositionen zurückgebunden, war es wenige Monate vor ihrem frühen Tode doch noch vergönnt, mit einem Meisterwerk die Nachwelt zu beschenken. Ihr Bruder Felix besorgte die Drucklegung und Herausgabe persönlich. Alle drei Werke haben jedoch keinen direkten Bezug zur Biografie ihrer Schöpfer. Alle drei sind lichtvoll, positiver Gestimmtheit zugetan und zeugen vom Siegeszug romantischen Liedschaffens. Man merkt sogleich, dass sie vom Klavier her geprägt sind, sind ihre Erzeuger doch allesamt Pianisten. Umso erfreulicher ist die geschickte Aufteilung des Sagens unter dem Tasten- und den beiden Saitenistrumenten. Bereits die Bezeichnung der Satzfolgen dient als Steckbrief der musikalischen Inhalte. Mit ihnen betritt der Zuhörer gegensätzliche musikalische Landschaften. Mit Schumanns Opus 80 begegnet er neuen Wegen fein verästelten Klavierspiels und hört sich durch ein Labyrinth liebevollen Zusammenspiels der drei Instrumente, die immer vom melodischen Liedhaften angeleitet werden. Mendelssohn führt mit seinem Opus 60 in einen packenden Wechsel von geläuterter Kantilene in dramatisches Ungestüm. Beide Männer profitieren dabei von einer langen vielseitigen Erfahrung in ihrem kompositorischen Schaffen. Nicht so die Frau, Fanny Hensel: Mit der Opuszahl 11 bezeugt ihre Meisterleistung das Neue und Erstmalige der genialen Schwester von Felix, einen Aufbruch, der durch ihren jähen Tod nur einen Monat nach der Uraufführung abgewürgt worden ist. Fannys d-Moll-Trio besticht durch pianistische Virtuosität neben gewinnender Melodik aus dem Zentrum ihres Schaffens, der Liedkomposition. Gelöst und doch in minutiös ausgewogenem Zusammenspiel bot das «Absolut Trio» die drei herrlichen Kompositionen dar. Ganz besonders genoss das zahlreich erschienen Publikum die schwerelose Virtuosität der Pianistin und die singenden Saiten des Cellos und der Violine. Die drei Künstlerinnen wurden erst entlassen, nachdem sie sich mit der sinnigen Bearbeitung eines Schumannliedes für Sopran, Tenor und Klavier für den Riesenapplaus bedankt hatten.
Samuel Wenger BACK

Musical Opinion, 01 Jun 2007, Wigmore Hall Debut
It was a pity the programme by the Absolut Trio at the Wigmore Hall on 5 April did not attract a larger audience, for the musicianship displayed by the three ladies who comprise its members was very high indeed. They began with a most admirable performance of Beethoven’s Ghost Trio, first rate in every way. Then followed a new work by the Swiss composer Rudolf Kelterborn, 15 Moments Musicaux for Piano Trio, composed last year and receiving its UK Premiere. This epigrammatic set would probably make a greater impact through the medium of recording, as the work’s fragmentary nature calls for much stopping, page-turning and starting again to maintain such coherence as it might possess. None the less, the piece is full of texturally fascinating ideas. Finally came a very welcome rarity, Schönberg’s Verklärte Nacht in the transcription for Piano Trio by Eduard Steuermann, made I assume with the composer’s approval and surely his enthusiastic endorsement, for the result is an astonishing contribution to the Piano Trio repertoire. So superbly did Steuermann do his job that one might be forgiven for thinking Schönberg originally conceived the work for Piano Trio before making the familiar version. The performance by the Absolut Trio was consistently fine in every regard, confirming the excellent impressions given in the first half. I hope they have the opportunity of recording this version; it would be an important addition to the catalogue. This ensemble is of the highest class and I look forward to hearing them again in London very soon.
Robert Matthew-Walker BACK

St. Galler Tagblatt, 30 Oct 2006, Tonhalle St.Gallen
Wenn Schumann inspiriert
Drei Uraufführungen zur Eröffnung der Contrapunkt-Saison in St. Gallen
Arrangiertes von Schumann als Klammern um Beiträge von Zeitgenossen: Das Klaviertrio lebt, bisweilen überraschend ausgeformt.
Diese Powerfrauen können Musik unserer Zeit packend und mit ihrem Engagement zu aufmerksamstem Hinhören verführend interpretieren. Das «Absolut Trio» (Bettina Boller, Violine, Imke Frank, Cello, Stefka Perifanova, Klavier) zeigte drei anspruchsvolle Beiträge zur Gattung Klaviertrio als Uraufführungen (zwei davon auf Schumanns Romantik ein je eigenes Licht werfend) taufrisch, luzide und mit speziellem Spass am Handling dieser Partituren. Das erste Konzert der Contrapunkt-Reihe 06/07 war spärlich besucht. Warum, fragt man sich angesichts so viel spannenden Neulands, das auch einem konservativen Hörer echte Erlebnisse bieten kann. Wenn die Pianistin etwa im Innenraum spielt, gleichzeitig Elektronik bedient und sich dann vor einem kaum koffergrossen, klingelndes Glockenspiel von sich gebenden Mini-Klavier hinstreckt: Komponistin Junghae Lee (Basel) hat mit «sonorletten» klingende Noveletten (ein Klaviertitel Schumanns) geschrieben.
Ironische Mini-Instrumente
Wie klingen kleine Klanggeschichten, so ihre Ausgangsfrage. Da gibt es tastende Klanginseln, meditativ und ein wenig zeremoniell, oder eruptive, an Ligeti erinnernde Ausbrüche, und gekonnte Übergänge zwischen Elektronik und traditionellem Instrumentarium. Und eben herrlich das Spiel auf drei Mini-Instrumenten, eine Ironisierung biedermeierlichen Hausmusizierens. Eine schwere, nicht selten rituelle Partitur. Der Dank der Zuhörer an die traumwandlerisch arbeitenden Damen des «Absolut Trios»: Absolut anteilnehmende Stille, konzentriertes Hören und Schauen.
Sehr gelungen auch «Übersetzte Geschwindigkeit» des Zürchers Gary Berger. Er denkt das Klaviertrio trotz elektronischer Einwürfe instrumentaler als Lee, ist sehr mit der Tradition vertraut und begeisterte besonders durch intensive Klangballungen. Seine satten Trio-Klang erreichende, dichte und emotional genau austarierende Tonsprache liess Bergers Neuinterpretation des Textduktus des Schumann-Liedes «Liebesgarten» zum Erlebnis werden.
Meisterhaftes Spätwerk
Die dritte Uraufführung dann von Rudolf Kelterborn. «15 Moments musicaux» eines Altmeisters der Schweizer Moderne. Zauberhafte Gedanken, jede Miniatur eine greifbare und völlig fantasiereiche Idee, überlegen auskomponiert. Kein Gestus, der nicht genauestens gefasst wäre. Wie Beethoven in seinen Bagatellen zeigt Kelterborn hier vergoldete Splitter einer grossen und gereiften kompositorischen Erfahrung. Klaviertrio komponiert 2006, ein Meisterwerk, faszinierend interpretiert. Dazwischen Liedgut von Schumann, arrangiert für Trio. Seltsam diese Ausflüge in die Romantik. Seltsam nah wurde Schumann und man ahnte, warum er nicht aufhört, bis heute zu inspirieren.
Martin Preisser BACK

Badische Zeitung, 18 Jan 2007
Reiz des Dialogs:
Das Absolut Trio in Freiburg
Man hatte sich gerade aufgewärmt am romantisch lodernden Feuer von Robert Schumanns „Liebhabers Ständchen“, als die im gesamten Bühnenraum verteilten Lautsprecher plötzlich anfingen, klirrend kaltes Wasser zu speien. Willkommen in der Gegenwart! „Der zeitgenössischen Musik Gehör zu verschaffen“ ist dem Schweizer Absolut Trio ein zentrales Anliegen. Schon während der ersten Sekunden von Junghae Lees „Sonorletten“ hatten Bettina Boller (Violine), Imke Frank (Violoncello) und
Stefka Perifanova (Klavier) in der Freiburger Elisabeth-Schneider-Stiftung dieses Ziel erreicht. Das Konzert suchte einen Dialog aufzubauen zwischen Schumann und der musikalischen Gegenwart. Die Gegenwart, das waren im Schumann-Jahr 2006 komponierte und von seinem Schaffen inspirierte Auftragswerke von Junghae Lee, Gary Berger und Rudolf Kelterborn, eingebettet zwischen sorgfältig ausgewählten, instrumental vorgetragenen Vokalduetten des deutschen Romantikers. Schumann als Füllmaterial? Diese Befürchtung konnten die Musikerinnen mit ihrem geschmeidigen, energiegeladenen Spiel von Anfang an zerstreuen. Sicherlich standen die zeitgenössischen Werke im Mittelpunkt des Interesses; der postmoderne Reiz des Dialogs jedoch kam erst durch die souveräne Belebung des Vergangenen zu Stande.
Während „Sonorletten“ durch den raffinierten Einsatz elektronischer Effekte bestach, gruben sich die Klangmomente in Kelterborns „15 Moments musicaux für Klaviertrio“ mit verblüffend einfachen Mitteln tief in den Hörer en.
Konstantin Bikos BACK

Neue Zürcher Zeitung, 30 Oct 2006
Romantik im 21. Jahrhundert
Das «absolut trio» im Theater Rigiblick
jh. Eine biegsame Begleitfigur des Klaviers, ein erster Bogenstrich auf dem Cello – und schon ist man tief abgetaucht in die romantische Welt von Robert Schumann. Wie Bettina Boller (Violine), Imke Frank (Violoncello) und Stefka Perifanova (Klavier) in Schumanns Musik zum gemeinsamen Atem fanden und wunderbar zu singen wussten, war allein schon eine Fahrt zum Theater Rigiblick wert. Doch mit dem 2004 gegründeten «absolut trio» suchen die drei Musikerinnen mehr als nur den zu Herzen gehenden Schönklang. Für ihre Hommage an den vor 150 Jahren verstorbenen Komponisten liessen sie Schumannsche Vokalduette – arrangiert für ihre Besetzung – in Dialog treten mit drei brandneuen Kompositionen. Unter dem Titel «Ich denke dein» ist so ein Programm entstanden, das sowohl das Ohr erfreute wie auch durch die geschickt zusammengestellte Werkfolge und durch sorgsam gestaltete Übergänge Geist und Sinn anregte.
Die seit 15 Jahren in Basel lebende Komponistin Junghae Lee orientiert sich für ihre «sonorletten» formal an Schumanns Noveletten.
Nach zwei eher ruhigen Teilen mit Einzeltönen und Glissandi beleben scharfe, durch Elektronik intensivierte Akzente den dritten Satz. Mit wispernden Tönen auf Kinderinstrumenten finden Lees Klanggeschichten einen Abschluss von eigentümlicher Poesie. Konkret auf ein Schumann-Lied bezieht sich Gary Bergers Stück
«übersetzte Geschwindigkeit». Ausgehend vom Text von «Liebesgarten» aus dem Opus 34 schafft der Zürcher Komponist ebenfalls mit dezenter elektronischer Unterstützung ein Gewebe von unterschiedlichen Dichtegraden, das zu einem überzeugenden Spannungsbogen gefasst ist.
Eine ganze Welt von Eindrücken und Empfindungen tut sich in den 15 Moments musicaux auf, die Rudolf Kelterborn für das «absolut trio» geschrieben hat. Der Basler Altmeister hat sich in seiner Musik trotz aller Eleganz des Handwerks etwas Widerborstiges bewahrt. Von scheinbar leichter Hand hingeworfene Skizzen stehen neben lakonischen Epigrammen aus wenigen Tönen, die in ihrer Konzentration lange nachschwingen. BACK

Le Temps, 14 Mar 2005
Avec Bernd Aloïs Zimmermann, en seconde partie, le concert prend une allure théâtrale. Présence, ballet blanc met en scène trois figures éminentes de la littérature: Don Quichotte (incarné par le violon), Molly Bloom (le violoncelle) et le Père Ubu (le piano) composent une chorégraphie pleine de poésie et de sarcasme. Et c’est au fil de gestes aussi expressifs que suggestifs, parfois drôles, que s’élabore une prodigieuse alchimie sur scène.
(Julian Sykes) BACK

Neue Luzerner Zeitung, 09 Apr 2005

Der rasch entflammbare Ton der Violine, die hymnischen Gesänge des Cellos und die konturenscharfen Impressionismen des Klaviers reizten … die Fiebrigkeit dieser Fin-de-siècle-Musik nach allen Seiten aus und demonstrierten gleich zu Beginn die exzellenten Qualitäten des ganz partnerschaftlich agierenden Ensembles … profitierten die imaginären Ballettszenen von Bernd Alois Zimmermanns “Présence” wiederum von einer die Extreme virtuos ausreizenden Spielhaltung. (Urs Mattenberger) BACK